Matratze - Stiefkind der Qualitätssicherung?

Wird die Matratzenausführung bei der Bewertung eines Bettes vergessen?


Alle wissen es: Bequemes Liegen und gesunder Schlaf sind eine entscheidende Voraussetzung, um sich von einer Krankheit zu erholen. Wird dennoch die Matratze-Ausführung bei der Bewertung von Krankenhausbetten vergessen?

Hinrich Wulff, Gründer und Mitinhaber unseres Unternehmens, beschäftigt sich intensiver mit den Hintergründen. Der folgende Artikel wurde unter anderem in der Zeitschrift "Krankenhaushygiene und Infektionsverhütung" (September 2003) veröffentlicht.

Gebrauchsgegenstand Matratze

Im privaten Bereich wird bei der Neuanschaffung einer Schlafgelegenheit viel Wert auf optisches Styling gelegt. Der Stellenwert der Matratze spielt eine untergeordnete Rolle.

Nur bei kranken Menschen, die unter Rückenbeschwerden leiden, erhält die Matratze eine besondere Bedeutung. In unserer zivilisierten Gesellschaft leiden bis zu 70 % der Menschen ständig oder zeitweise an Rückenproblemen unterschiedlicher Stärke. Da wir in der Regel zwischen 6 und 10 Stunden mit unserem Rücken auf der Matratze  verbringen, kommt die Auswahl der qualitativ richtigen Matratze eine gesundheitlich wichtige Bedeutung zu.

Matratzen im Krankenhaus

Die Qualität der Matratze trägt entscheidend zum Wohlbefinden des Patienten bei. Für die  Beurteilung der Gesundheitseinrichtung spielt die Beschaffenheit einer Matratze eine große  Rolle, insbesondere wenn für die Genesung lange Liegezeiten erforderlich sind.  

Die Matratze muss alle Anforderungen an eine zeitgemäße, funktionale sowie ökonomische und ökologisch orientierte Bettenhygiene erfüllen. Krankenhaus-Matratzen unterliegen einem natürlichen Verschleiß und müssen stetig geprüft und bei entsprechenden Merkmalen rechtzeitig aussortiert werden.

Beschaffung der Krankenhaus-Matratze

Vor der Anschaffung neuer Matratzen bzw. vor dem Austausch der alten Matratzen sollten folgende Punkte abgehandelt werden: 

  • Ist-Analyse der im Hause befindlichen Matratzen und der Aufbereitung.
  • Alter der vorhandenen Schaumstoffmatratzen, soweit feststellbar.
  • Welche Bezüge sind vorhanden?
  • Festlegung der künftigen Vorgehensweisen, zum Beispiel:              
    • Kein getrenntes Einkaufen von Matratzen und Schutzbezügen!
    • Nur noch ganzheitliche Systeme ohne Drellbezüge!
    • Neue Matratzen kennzeichnen mit Herstellungsjahr!


Letzt genannter Punkt ist gemäß DIN 13014 erforderlich. Darin ist aus Gründen der Qualitätssicherung festgelegt, dass unbedingt darauf zu achten ist, dass die Matratzen mit dem Herstellungsjahr gekennzeichnet sind. Ausschließlich über diese Kennzeichnung können ältere Matratzen nach einer vorher festgelegten Zeit aussortiert werden.   

Die bisher praktizierte Methode, Matratzen nach optischer Wahrnehmen (Kuhlenbildung im  Gesäßbereich, Ermüdung des Schaumstoffes) auszusortieren, ist im Interesse des Patienten und – wie schon beschrieben – insbesondere aus Gründen der Qualitätssicherung nicht empfehlenswert. 

Schaumstoff-Matratzen bieten den größtmöglichen Komfort

Die heutigen Matratzen sind in der Regel aus Schaumstoff. Dabei spielen jedoch die  Schaumstoff-Qualitäten eine wesentliche Rolle. 

Man unterscheidet     

  • Polyäther-Standardschaum
  • Polyäther-Kaltschaum
  • und viskoelastischen Polyurethanschaum


Üblich sind in Krankenhaus-und Pflegeinrichtung Matratzen aus Polyäther- Standardschäumen.   

Eine Weiterentwicklung sind Schaumstoff-Matratzen aus Polyäther-Kaltschaum mit einem wesentlich höheren Komfortindex als der Standardschaum.

Zur Bestimmung des Komfortindexes wird der Schaumstoff auf 65 bzw. 25 % seiner ursprünglichen Höhe zusammengedrückt. Das Verhältnis zwischen den beiden erforderlichen Eindruckkräften ergibt den Komfortindex. Je höher der Komfortindex, desto besser ist die Körperunterstützung. Der Komfortindex für Polyäther-Standardschäume beträgt ca. 2, für Kaltschäume ca. 3!   

Viskoelastische Polyurethanschäume
bieten im Gegensatz zu den vorher genannten Schäumen eine noch bessere Druckentlastung: durch konturengerechtes Einsinken des Körpers werden Druckspitzen auf eine größere Fläche verteilt. Sie werden häufig in Verbindung mit Polyäther-Kaltschäumen sowohl zur Dekubitusprophylaxe und -therapie als auch zur Druckentlastung bei Rücken- und Gelenkproblemen eingesetzt. (Unter dem Markennamen Viskolastic im Handel.)  

Bei der Bewertung der Qualität einer Schaumstoff-Matratze sind zwei Punkte von entscheidender Bedeutung: Das Raumgewicht und die Härte

Nach DIN 13014 muss das Raumgewicht einer Schaumstoff-Matratze mindestens 40 kg/m³ betragen. Ein höheres Raumgewicht heißt in der Regel  

  • Verbesserte Tragfähigkeit
  • Weniger Druckverformungsrest
  • Verbesserte Elastizität
  • Verbesserte Komfort-Eigenschaften


Nach DIN 13014 wird für eine Schaumstoff-Matratze mit den Maßen 200 x 90 x 12 eine 

  • Stauchhärte von 4 kPa gefordert.


Ist das Material zu weich, gewährt es dem Körper kaum Halt. Ist das Material zu hart, bietet es wenig Komfort.  

Ganzbezüge gleich mit beschaffen

Beim Einkaufen der Krankenhaus-Matratzen sollte ein entsprechender Schutzbezug gleich mit beschafft werden. 

Ganzheitliche Matratzen-Systeme mit PU-beschichteten Schutzbezügen bieten ein Höchstmaß an Infektionsschutz bei optimalen Gebrauchseigenschaften wie Funktionalität, Sicherheit und Komfort. 

Matratzen ohne adäquaten Schutzbezug nehmen im Laufe der Zeit Feuchtigkeit und Schmutz auf. Mechanische Einflüsse zeigen ihre Wirkung. Das Auflagedruckverhalten lässt nach, Elastizität und Stützkraft gehen verloren, unergonomische „Kuhlenbildung“ setzt ein. Flecken und unangenehme Gerüche tun ihr übriges.   

Folgende Fragen sollten bei jedem Kauf einer Polyäther-Schaumstoff-Matratze mit Ganzbezug gestellt werden: 

Für den Ganzbezug:

  • Flächengewicht?
  • CE-Zeichen nach DIN 53122?
  • Schwerentflammbar nach DIN 54333?
  • Bakterien- und Virendurchlässigkeit auch nach langjährigem Gebrauch?
  • Schadstoffprüfung nach TÜV, ÖKO-Tex 100 oder ähnlich?
  • Kochfest bis 95 ° C – Tumblern bis 120 ° C?
  • Desinfektionsverträglichkeit?
  • Reparatur durch den Lieferanten gegeben?
  • Kennzeichnung durch 1. Herstellerdatum – 2. Chargennummer? (ganz wichtig: die Kennzeichnung muss kochfest und dauerhaft auf einem Einnähetikett aufgedruckt sein)


Für die Schaumstoff-Matratze:

  • Rohdichte nach DIN 53420 = mindestens 40 kg/qm?
  • Stauchhärte nach DIN 53577 = mindestens 4.0 kPa?
  • Eindrückhärte nach DIN 53576 = mindestens 170 N?
  • Zugfestigkeit nach DIN 53571 = mindestens 110 kPa?
  • Luftdurchlässigkeit = ?
  • Geruchs- und staubfrei = ?
  • Aufbereitung = ?
  • FCKW-frei = ?
  • Kein Drellbezug = ?

Für Ganzbezug und Matratze:

  • Welche Garantie bietet der Lieferant?


All diese Punkte gelten als Maßstab zur Bewertung der Qualität einer Schaumstoff-Matratze.

2003/HW

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